Co-design

Die Entwicklung der Leitbilder und Maßnahmen im FInAL-Projekt erfolgen grundsätzlich in einem Co-design-Prozess an dem Wissenschaftler und Landwirte gleichermaßen beteiligt sind.

Co-design beschreibt die Zusammenarbeit zwischen den WissenschaftlerInnen und den Praxisakteuren in einem flexiblen und iterativen Prozess mit Rückkopplungsschleifen. Der Co-design-Prozess und seine Teilschritte (z.B. partizipative Leitbildentwicklung und partizipative Auswahl der Maßnahmen) sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Erarbeiten praxistauglicher Lösungen und übertragbarer Innovationen. Für zukünftig tragfähige Anbausysteme wird innovatives Design zur kollaborativen und strategischen Entscheidungsfindungen benötigt, welches auch Bedarfe und Wertevorstellungen von Landwirten und anderen Praxisakteuren in den Innovationsprozess mit einschließt, ihnen die Wahl zwischen verschiedenen Lösungsvorschlägen ermöglicht und die Anpassung an eigene Gegebenheiten zulässt.

Landwirte dürfen nicht länger als reine Rezipienten von Inventionen betrachtet werden. Neben dem Ziel der Verbesserung der Anbausysteme stehen auch „social learning“ und die Stärkung von Netzwerken zur Befähigung der Akteure selbst aktiv zu werden im Vordergrund. Dabei wird es als zielführend erachtet, ein De-novo-Design, welches Lösungen jenseits bestehender Systeme entwickelt (z.B. wissenschaftliche Modellierung), mit einem step-by-step-Design (kontinuierliche Verbesserung durch Rückkopplungsschleifen) sinnvoll zu verknüpfen.

In engem Zusammenhang mit dem Co-design-Ansatz steht auch die Frage der Akzeptanz von innovativen Lösungen. Der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass Gerechtigkeitsfragen (Vertrauen, Informationsaustausch, etc.) und die Gestaltung des Innovationsprozesses eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Innovationen spielen. Unter anderem wurden die frühe Einbeziehung von Akteuren und die partizipative Kartierung von Problemen und Lösungen als akzeptanzfördernd identifiziert.

Akzeptanzanalysen im Forschungskontext sollten aber nicht nur darauf basieren, akzeptanzsteigernde Instrumente zu identifizieren, um Innovationen in die breite Umsetzung zu bringen und übertragbar zu gestalten. Aus der Forschungsperspektive ist es bei der Analyse genauso wichtig, der komplexen theoretischen Konzeption „acceptability“ Rechnung zu tragen, also die verschiedenen Stufen der Akzeptanz, mehrere prozessorientierte und räumliche Ebenen sowie die Veränderbarkeit von Akzeptanzentscheidungen einzubeziehen.

Des Weiteren darf Akzeptanz nicht mehr nur mit stark technisch-funktionaler Ansätzen untersucht werden, sondern muss insbesondere sozio-kulturelle, prozessuale und akteursbezogene Aspekte (inkl. Wertevorstellung, Normen und Präferenzen) berücksichtigen. Ebenso das Aufdecken von sogenannten Lock-In-Effekten bzw. Pfadabhängigkeiten ist ein wichtiger Bestandteil von Akzeptanzanalysen.

Im Landnutzungskontext ist es außerdem wichtig, Ergebnisse von Akzeptanzstudien mit Planungen auf Landschaftsebene zurück zu koppeln.