Hintergrund

Die Landwirtschaft gilt als eine der Hauptursachen für den gegenwärtigen Rückgang der Insektenvielfalt und –biomasse in Deutschland. Wichtige bekannte Belastungsfaktoren für Insekten sind

  1. die Monotonisierung von Agrarlandschaften durch enge Fruchtfolgen gepaart mit einem Verlust an Landschaftsstrukturen und halbnatürlichen Lebensräumen,
  2. die zeitlich kurz getaktete und einheitliche Bewirtschaftung (Bodenbearbeitung, Pflege, Mahd, Ernte) großer räumlicher Einheiten und damit Verlust an Refugialräumen,
  3. der Rückgang artenreichen Grünlands, durch zum einen Unternutzung auf marginalen Standorten und zum anderen Intensivierung auf produktiven Standorten, und
  4. die intensive Unkrautbekämpfung und der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln.

Forschung zu und Umsetzung von Maßnahmen, um diesen Belastungsfaktoren entgegenzuwirken, fokussieren meist nur auf einen dieser Faktoren, vernachlässigen deren Zusammenwirken und/oder arbeiten auf der Skala einzelner Flächen oder Betriebe. Da aber viele Insekten Habitatwechsler sind und im Tages-, Jahres- oder Lebensverlauf viele verschiedene Lebensräume und Ressourcen in einer Landschaft für ihr Überleben und ihre Fortpflanzung benötigen, greifen diese Ansätze häufig nicht weit genug, um umfassende Handlungsoptionen für Politik und Landwirtschaft sinnvoll ableiten zu können. FInAL zielt daher darauf ab, im Rahmen des „Aktionsprogramm für den Schutz von Insekten“ Landschaftslabore in typischen und repräsentativen Agrarlandschaften Deutschlands anzulegen, in denen innovative und komplexe Maßnahmen im Landschaftskontext entwickelt, getestet, demonstriert und modellhaft umgesetzt werden können.

Die Etablierung der Landschaftslabore und der darin umgesetzten Maßnahmen erfolgt leitbildbasiert. Es wird ein Systemansatz verfolgt, der sowohl Produktionsflächen als auch Nicht-Produktionsflächen im gewählten Landschaftsausschnitt einbezieht. Neben einer Bandbreite an Insektengruppen werden auch die Ökosystemleistungen dieser Insekten systematisch einbezogen und analysiert. Zudem werden mögliche Wechselwirkungen mit anderen Organismengruppen und Ökosystemleistungen in den Bewertungen berücksichtigt.

Die Etablierung der Landschaftslabore wird von Anfang an durch einen Co-design-Prozess begleitet, um die Praxistauglichkeit zu gewährleisten. Die Evaluierung der Übertragbarkeit in andere Agrarräume erfolgt auf zwei Pfaden: räumlich und sozio-ökonomisch.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Innovationen (Produkt-Innovation, Verfahrensinnovation/ technische Innovation, Prozess-Innovation) und ihrem up- und outscaling.